Zukunft

„Ich wünsche mir, dass wir noch ein bisschen Zeit haben und dass meine Enkelinnen und Enkel noch in eine lebenswerte Welt und möglichst freie Welt hineinwachsen.“
– „Arthur“


Was wünschst du dir?

Ich wünsche mir, dass wir noch ein bisschen Zeit haben und dass meine Enkelinnen und Enkel noch in eine lebenswerte Welt und möglichst freie Welt hineinwachsen. Das ist das, was ich mir wünsche. Und wo ich versuchen kann, noch ein bisschen dran rumzubasteln.

„Mehr Gerechtigkeit und Vernunft in der Welt wünsche ich mir.“
– „Irene“


Was wünschst du dir?

Oh, die Weltrevolution! Eine tiefgreifende soziale Veränderung, in der die Menschen einfach vernünftiger sind. Viele sagen ja, die Menschen sollen mehr auf ihr Herz hören, ich würde aber sagen sie sollen viel mehr auf den Verstand hören. Der Verstand ist nicht vom Herz abgetrennt, aber das Herz allein neigt zu großen irrationalen Entscheidungen, zu höchster Emotionalität und Emotionalität ist oft ziemlich egoistisch oder zumindest egozentrisch. Das ist nicht immer ein guter Ratgeber für den Aufbau einer Gesellschaft, die versucht, das Ganze in den Blick zu nehmen und für alle Menschen zu gestalten. Nicht als Kollektiv oder Gemeinschaft, sondern als solidarische Gesellschaft. Mehr Gerechtigkeit und Vernunft in der Welt wünsche ich mir. Aber dazu braucht es auch wieder Bedingungen, die Vernunft Raum zur Entfaltung geben. Wir leben in einer ungerechten Welt, Ungerechtigkeit ist unvernünftig. Aber real und an Machtverhältnisse geknüpft. Diejenigen, die davon profitieren, haben kein Interesse daran, das zu ändern. Andere entwickeln Wut, aus der leider zu oft Hass entsteht, anstelle von Vernunft. Diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen wäre mein Wunsch. 

„Ich habe den Eindruck, ganz viele – ähnlich wie beim Klimawandel – verdrängen, um was es da geht, wie groß die Bedrohung für unser Zusammenleben, für die Demokratie, für alles ist.“
– Jürgen und Mucki


Was wünscht ihr euch?

Mucki: Ich wünsche mir, dass Menschen sich mehr trauen, den Mund aufzumachen und dass Menschen sich auch selber mehr vertrauen und verstehen, dass ihre Stimme wichtig ist und dass wir weniger versuchen, es irgendwelchen Leuten recht zu machen und irgendwie an allen Ecken und Enden gleichzeitig zu sein, sondern dass wir uns wirklich überlegen, was ist für uns gerade wichtig, wo wollen wir aktiv sein und wie machen wir das und dass wir dann auch wirklich miteinander diese Sachen machen und gemeinsam diese Sachen machen und daran lernen und eine Kritikkultur haben, an der wir wachsen können und dass wir dann daraus eine Bewegung aufbauen, die so schlagkräftig ist, dass die AfD keine Chance mehr hat.

Jürgen: Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen sich informieren und klar machen, was für eine immense Gefahr gerade von der gesamten extremen Rechten ausgeht. Und dann in ihren Bereichen aktiv werden, von ganz kleinen Schritten bis zu organisierteren Aktivitäten. Das würde ich mir wirklich wünschen. Ich habe den Eindruck, ganz viele – ähnlich wie beim Klimawandel – verdrängen, um was es da geht, wie groß die Bedrohung für unser Zusammenleben, für die Demokratie, für alles ist. Und ja, ich verstehe es manchmal nicht. Und da wünsche ich mir einfach, dass die Leute sich nochmal richtig informieren, darauf einlassen und dann Schlüsse ziehen und überlegen. Man kann nicht alles machen, aber im eigenen Bereich hat man Gestaltungsmacht. Da gibt es so viele Ideen, was jeder an seiner Stelle in der Gesellschaft und der Welt Sinnvolles beitragen könnte. Und ich glaube, dann könnten wir echt viel mehr erreichen. Das wünsche ich mir.

„Es liegt an uns.“
– Marie

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich denke mir, es sind die Menschen, die Zukunft gestalten. Und ich meine nicht solche Idioten wie gerade im Weißen Haus, sondern ich meine die Menschen in den Ländern. Also die müssen eigentlich nicht nur teilhaben an der Zukunft, die müssen Zukunft gestalten. Und das heißt, sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass man selbst etwas einbringen kann – das hat auch Gerhart Baum angesprochen. Man muss wach sein und wach bleiben, was die Möglichkeiten anbelangt. Es liegt an uns.

Das wünsche ich mir, dass immer mehr Menschen bewusst wird, dass es unsere Welt ist und dass wir nicht nur daran teilhaben sollen, sondern dass wir Verantwortung dafür tragen. So habe ich es auch bei dem, was ich gemacht habe, schon gesehen. Wenn ich z. B.  zur Behörde gegangen bin, habe ich mir überlegt, wie ich mich präsentiere, denn ich wollte etwas für andere erreichen. Also muss das in einer Form sein, die für mein Gegenüber akzeptabel ist. Als ich 2014 in Ingelheim aufgehört habe, bin ich zur Leitung vom Gefängnis gegangen und habe mich verabschiedet, nicht aus der Arbeit, sagte ich, aber eben aus Ingelheim, weil ich in meinem Landkreis weitermachen wollte. Und da hat der Leiter tatsächlich gesagt, er müsse schon sagen, wir haben oft diskutiert, waren oft verschiedener Meinung, aber ich wäre immer fair und ausgewogen geblieben in dem, was ich gesagt habe. Da dachte ich mir, wow, wunderbar, wenn das der Fall ist. Das hat mir wirklich gut gefallen, dass ich so rübergekommen bin.

„Wir müssen schauen, ob unsere Handlungen den Enkeltest bestehen.“
– Sebastian

Was wünschst du dir?

Es gibt hier einen älteren Öko, der irgendwann mit dem Wort „enkelfest“ anfing. Ein schönes Bild – dass wir uns so verhalten, dass es enkelfest ist. Dass wir uns so verhalten, dass nachfolgende Generationen auch eine lebenswerte Gesellschaft und Welt vorfinden. Ich wünsche mir, dass alle das machen. Schlimm finde ich, wenn Leute es eigentlich besser wissen und sich trotzdem chauvinistisch verhalten. Übrigens: Die letzte Möglichkeit, Leute in Diskussionen zu erreichen, wenn sie für andere Argumente nicht mehr zugänglich sind, ist sie mit dem Thema Kinder zu konfrontieren. Fast alle haben eigene Kinder, Kinder im Umfeld oder in der Familie. Wenn Boomer sagen „Klimawandel, mir egal, für mich reicht es noch“, kann man antworten: „Aber für deinen Neffen vielleicht nicht mehr.“ Junge Menschen sollen auch noch die Möglichkeit haben, ein schönes Leben zu gestalten. Deswegen finde ich enkelfestes Verhalten als Gedanken schön. Wir müssen schauen, ob unsere Handlungen den Enkeltest bestehen.

„Die Situation sieht gerade sehr düster aus und das Einzige, was mir Hoffnung macht, sind diese Bewegungen, die hoffentlich wieder zum Vorschein kommen.“
– Anton

Was wünschst du dir?

Wir hatten ca. 2011 oder 2012, nach dem Beginn der aktuellen Weltwirtschaftskrise, weltweite Bewegungen wie den Arabischen Frühling, die Platzbesetzungsbewegungen von Occupy bis zu Gezi-Park. Weltweit gab es Aufstandsbewegungen, die zu großen Teilen nicht autoritär gesteuert von Parteien oder Organisationen waren, sondern Bewegungen von unten. Die Aufstände sind dann in unterschiedlichster Form gescheitert, am extremsten wahrscheinlich in Syrien und Jemen, wo sie in blutigen Bürgerkriegen niedergeschlagen wurden. In anderen Fällen, wie Spanien oder Griechenland, wurden diese Bewegung über Parteien wie Podemus oder Syriza wieder ins System integriert. 

Ich glaube diese Unzufriedenheit und diese Bewegung schwelt schon noch immer unterirdisch und die Hoffnung wäre, dass das wieder ausbrechen würde. Und dass die Bewegungen auch aus ihren Fehlern von damals lernen, sich also nicht integrieren lassen und vielleicht ein bisschen organisierter auftreten, als das letzte Mal. Hin und wieder ploppt sowas auf. In einzelnen Ländern gibt es alle paar Monate neue Bewegungen. Sie sind nicht verschwunden, sie sind unter der Oberfläche durchaus da. Ich denke sie sind die einzige Chance momentan in dieser Situation, die einerseits geprägt ist vom globalen Vormarsch der extremen Rechten und der konkreten Gefahr von neuem Faschismus und andererseits haben wir noch mit der Klimakatastrophe, mit drohendem Weltkrieg und anderen Kriegen und mit Pandemien zu rechnen. Die Situation sieht gerade sehr düster aus und das Einzige, was mir Hoffnung macht, sind diese Bewegungen, die hoffentlich wieder zum Vorschein kommen.

„Eine viel stärkere Betonung von Vernunft, also mehr Vernunft, weniger Gefühl.“
– Vasili


Was wünschst du dir?

Eine viel stärkere Betonung von Vernunft, also mehr Vernunft, weniger Gefühl. Und ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Individuen mit Individuen zusammenkommen, als eigenständige Menschen, aber gemeinsam kooperierend sich den Herausforderungen – die es gibt und die es immer im Leben und im Universum geben wird – entgegenstellen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der es möglich ist, seine Persönlichkeit – unter Berücksichtigung der Interessen anderer – sich frei entfalten zu lassen. Eine Gesellschaft, in der jeder eine faire Chance hat und die weniger Zeit damit verbringt, sich selbst zu zerstören, und mehr mit der gemeinsamen Arbeit. Menschen können furchtbar schäbig und schrecklich sein, wir haben heute viel besprochen, aber sie können auch zu großartigen Leistungen fähig sein und ich würde mir wünschen, dass Letzteres mehr im Vordergrund ist.

Deine Erlebnisse und Erfahrungen sind wichtig!

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