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Das schreiben uns Besucher*innen der Website zu ihren Erlebnissen in den 1990er und 2000er Jahren und zu ihrem Engagement gegen Rechts:schla
#baseballschlaegerjahre-rlp.de
„Wenn wir in den späten 1990er – frühen 2000er mit 15/16 am Wochenende unterwegs waren auf Konzerten mit Coverbands in irgendwelchen Kneipen, gab es immer diese zwei, drei Nazis, denen man nicht begegnen wollte. Wenn die irgendwo auftauchten, war die Stimmung direkt deutlich gedrückt und man versuchte ihnen möglichst aus dem Weg zu gehen. Vorallem wenn Alkohol im Spiel war, konnte schon ein falscher Blick reichen um angepöbelt zu werden. Die Angst schwang immer mit… Als ich dann ein paar Jahre später in der Oberstufe war, engagierte ich mich in der Anti-Rassismus-AG der Schule und gemeinsam erreichten wir, dass unsere Schule als eine der ersten in Rheinland-Pfalz Mitglied wurde im Netzwerk: Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage. Viele Aktionen zum Thema Courage gegen Rassismus folgten.“
„Danke für diese Webseite! Ich komme aus einer Kleinstadt im Sauerland und war in den 90ern Teenie. Meine Freund*innen und ich waren ein bisschen alternativ gekleidet (Bundeswehr-Rucksack mit Aufnähern, Dr. Martens oder Chucks, Schlaghosen, etc.). Wir hatten ständig Angst, von Nazis überfallen und verprügelt zu werden. Wen sie erwischt haben, auf dem haben sie auch Zigaretten ausgedrückt. Als meine beste Freundin an einem Grillplatz Geburtstag gefeiert hat, wurden wir von Nazis überfallen und sie wurde mit einer Flasche niedergeschlagen. Sie war ohnmächtig und kam ins Krankenhaus. Es gab damals noch wenig Handys. Ich wusste stundenlang nicht, ob sie noch lebt. Wir haben dann Konzerte gegen Rechts in unserem Jugendtreff organisiert. Ich engagiere mich bis heute.“
„Ich erinnere mich gut daran, wie unfassbar es für mich war, dass über all die Jahre kaum etwas gegen „Nazi‑Müller“ unternommen wurde. Jeder in Gonsenheim wusste, was auf seinem Gelände vorging – die Treffen, die Feiern, die Neonazi‑Besucher aus dem ganzen Land. Zeitungen berichteten über die Sonnwendfeiern, die Szeneaktivitäten und sogar über Razzien, bei denen Propagandamaterial gefunden wurde, und trotzdem schien es, als würde die Politik wegsehen. In Gonsenheim wurde wenig darüber gesprochen. Auch nicht in unserer Stammkneipe, die eher linkes Publikum hatte. Ich fragte mich oft, wie so etwas möglich war. Wie kann ein einzelnes Anwesen zum Treffpunkt der gesamten rechten Szene werden, ohne dass die Behörden längst entschieden durchgreifen?“
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