Baseballschlägerjahre RLP
Lehren des zivilgesellschaftlichen Kampfes der 1990er und 2000er Jahre gegen Rechtsextremismus
In den letzten Jahren erleben wir erneut ein Erstarken rechtsextremer Ideologien, Parteien und Gewalt. Damit verbunden sind große Gefahren für Angehörige marginalisierter Gruppen und für die Demokratie insgesamt, denen sich viele Menschen nicht bewusst sind. Oft geht eine große Klarheit in der Einschätzung der politischen und gesellschaftlichen Lage von Menschen aus, die das Wiedererstarken rechter Kräfte bereits in den 90er Jahren erlebt und sich dem widersetzt haben. Um wirksame Strategien zum Schutz der Demokratie für die Gegenwart und Zukunft zu entwickeln, lohnt sich ein Blick zurück.
- Was ist in den 1990er und 2000er Jahren passiert?
- Wie haben Menschen in Rheinland-Pfalz rechte Gewalt erlebt?
- Welche Formen von Widerstand gab es – und was können wir heute daraus lernen?
Warum dieses Projekt?
Rechtsextremismus wird oft als reines „Ostproblem“ dargestellt. Tatsächlich gab es in den Baseballschlägerjahren auch in westdeutschen Bundesländern – und auch in Rheinland-Pfalz – rechte Strukturen, Übergriffe und Akteure sowie Menschen, die sich ihnen mutig widersetzt haben.
Die Geschichten derjenigen, die sich meist als Jugendliche oder junge Erwachsene in RLP gegen Rechts engagiert haben, werden nur selten erzählt – und gesamtgesellschaftlich oftmals angezweifelt und ausgeblendet. Das Projekt sammelt diese Erfahrungen, um das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteur*innen zu dokumentieren und Kontinuitäten von den 1990er Jahren (und schon viel früher) bis heute sichtbar zu machen. Ein tieferes Verständnis der Vergangenheit kann helfen, rechten Kräften auch heute effektiv entgegenzuwirken.
Was wir machen
Das Projekt hat sich auf den Weg gemacht, Zeitzeug*innen, Aktivist*innen und Betroffene rechter Gewalt der Baseballschlägerjahre in RLP zu finden und ihre Perspektiven zu würdigen. Im Zentrum des Projekts stehen qualitative Interviews, die viele Aspekte ihrer Erfahrungen behandeln:
- Was haben die Zeitzeug*innen damals erlebt?
- Wie haben sie sich organisiert und miteinander vernetzt?
- Welche Strategien haben geholfen?
- Was brauchen wir jetzt, um Rechtsextremismus wirksam zu begegnen?
Ergänzt werden die Interviews durch einen wissenschaftlichen Beitrag, der die Erfahrungen historisch einordnet, mit Zahlen und Fakten untermauert und Bezüge zur Gegenwart herstellt. Zudem gibt es ein generationenübergreifendes Interview, das die Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.
So entsteht ein vielschichtiges Bild des Widerstands gegen Rechts in Rheinland-Pfalz: Menschen, die sich mutig für eine gerechte und lebenswerte Gesellschaft für alle eingesetzt haben, werden sichtbar – ihre Strategien und Erfahrungen geben Impulse für die Gegenwart.
Die Interviews werden auf Wunsch anonym veröffentlicht.
Unser Ziel
„Baseballschlägerjahre RLP“ möchte:
- Erinnerungen bewahren, bevor sie verloren gehen
- zivilgesellschaftlichen Widerstand sichtbar machen und stärken
- rheinland-pfälzische Erfahrungen in die bundesweite Debatte einbringen
- Zum Nachdenken, Diskutieren und Weiterlernen anregen
Das Projekt versteht sich nicht als abgeschlossene Geschichtsschreibung, sondern als Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur – und als Ermutigung, sich auch heute gegen Rechtsextremismus einzusetzen.
Zum Titel: #baseballschlaegerjahre
Der Hashtag geht auf den Journalisten Christian Bangel zurück, der im Herbst 2019 die Zeug*innen der Baseballschlägerjahre aufrief, ihre Erfahrungen zu teilen. Der Aufruf war die Reaktion auf die Frage vieler Medien wo “plötzlich wieder diese rechte Gewalt herkommt”. Der Hashtag wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig nur mit Ostdeutschland verbunden. Mit dem Titel „Baseballschlägerjahre RLP“ knüpfen wir bewusst an diese bundesweite Debatte an und hoffen sie zu erweitern: Auch in Westdeutschland – und konkret in Rheinland-Pfalz – gab es in dieser Zeit rechtsextreme Gewalt, neonazistische Gruppen und engagierten Widerstand. Der Projekttitel macht deutlich, dass diese Geschichte Teil einer gesamtdeutschen Realität ist – obwohl es selbstverständlich qualitative Unterschiede gibt. Dies muss die Grundlage weiterer Diskussionen sein.
Vergangenheit verstehen.
Gegenwart gestalten.
Zukunft verteidigen.